Brief an Beitz bringt Bewegung

Veröffentlicht am 08.05.2010 in Allgemein

WAZ, 8. Mai 2010

Vorsitzender der Krupp-Stiftung vermittelte offenbar Treffen der Hammer Pfarrer mit Nirosta-Vorständen


Nächste Woche findet ein Gespräch mit Vorständen statt. Außerdem informiert Nirosta über die seine Pläne. Foto: (Archiv). Karl Gatzmanga

Michael Weeke
Die Menschen aus Hamme lassen nichts unversucht, um ThyssenKrupp doch noch von seinem Vorhaben abzubringen, die Deponie-Marbach wieder in Betrieb zu nehmen und zu erweitern. In einem offenen Brief haben sich jetzt die Pfarrer der beiden Kirchen, Alfred Labusch (Ev. Gethsemane-Gemeinde) und Ludger Gerbens (Kath. Herz-Jesu-Gemeinde) direkt an den Vorsitzenden der Alfried-Krupp-Stiftung, Prof. Dr. Berthold Beitz, gewandt.

Der hochbetagte Sachwalter der Kruppschen Interessen im Thyssen Krupp-Konzern gilt nach wie vor als aufmerksamer Beobachter der aktuellen gesellschaftlichen und industriellen Entwicklungen im Ruhrgebiet. Die Pfarrer beschrieben die Stimmung im Stadtteil und appellierten an Beitz, den Bürger des Ruhrgebiets, seine Integrität „für die Verhinderung einer geplanten offenen Mülldeponie der Fa. Thyssen-Krupp-Nirosta", einzusetzen.

Dabei erinnerten die beiden Geistlichen auch an die große soziale Tradition der Firma Krupp, die sich in den vergangenen Jahrhunderten „dem Gemeinwohl verpflichtet" und dafür zahlreiche Beispiele etwa durch den Bau auch heute noch beispielgebender Arbeitersiedlungen (etwa die Margarethenhöhe in Essen) geliefert habe.

Nur knapp 1000 Meter von der Deponie entfernt liegt die historische Mustersiedlung
„Dahlhauser Heide" in Hordel. Geplant wurde sie von Robert Schmoll, dem einstigen Hausarchitekten der Krupp-Dynastie. Entstanden ist zwischen 1906 und 1915 eine Kolonie für die Arbeiter der ehemaligen Krupp-Zeche Hannover. Sie gilt heute als eine der schönsten Zechensiedlungen im Ruhrgebiet.


Berthold Beitz bei seinem Besuch in Bochum im Januar. ddp

Die Pfarrer baten Beitz, persönlich ein Gespräch mit dem Vorstand von Nirosta zu vermitteln, „damit wir gemeinsam für das Ruhrgebiet und mit den entsprechenden Sachverständigen nach alternativen Lösungen für unser Revier sorgen können". Der Einfluss des ehemaligen Generalbevollmächtigten von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach ist immer noch groß:

Am kommenden Dienstag treffen sich die beiden Pfarrer aus Hamme tatsächlich mit den beiden Thyssen-Krupp-Nirosta-Vorständen Dr. Jörg Beindorf und Klaus-Peter Hennig in der Bochumer Verwaltung des Stahlwerkes. Das Vorstandsbüro bestätigte den Termin mittlerweile den Pfarrern.

Unterdessen hat Thyssen-Krupp für seine Veranstaltung am Montag, 18 Uhr, weiter Werbung im Stadtteil gemacht. Eine Agentur verteilte mittlerweile 2700 Flugblätter mit Einladungen zu dem Informationsabend an die Haushalte im näheren Umfeld der Deponie.

INFORMATIONEN

Stand der Planungen

Bevor die beiden Pfarrer am Dienstag mit den Vorständen sprechen, hat Thyssen-Krupp -Nirosta zu einer Informationsveranstaltung in das Verwaltungsgebäude an der Essener Straße 244 eingeladen. (Montag, 10. Mai, 18 bis 21 Uhr). Dann will der Konzern über den Stand seiner Planungen zur Marbach-Deponie berichten. Teilnehmen wollen offenbar auch Vertreter der Hammer-Runde. Obwohl von ihnen das Vorgehen des Edelstahlherstellers kritisiert wird.

 

SPD Ortsverein Bochum Hamme

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