WAZ 25. 03. 2011

Veröffentlicht am 25.03.2011 in Allgemein

Bochum 11

Elf Themen, die die Stadt bewegen

Thema:
Eine Deponie für Thyssen,
ein Ärgernis für Anwohner

Deponie: Entscheidung im Sommer
Der Planfeststellungsbeschluss könnte schon in wenigen Monaten vorliegen. Anwohnerfühlen sich im Stich gelassen.


Hoch emotional verlief die Diskussion um die Deponie Marbach am WAZ-Redaktionsmobil auf dem Amtsplatz in Hamme. Fotos: Arne Poll

Andreas Bartel

An keinem anderen Standort des WAZ-Redaktionsmobils wurde so emotional diskutiert wie am Amtsplatz in Hamme, wo es am vorletzten Tag der Aktion „Bochum 11 - Elf Themen, die die Stadt bewegen", Halt machte. Das Thema, na klar, die geplante Wiedereröffnung der Deponie Marbach, gegen die sich die Anwohner schon seit vielen Monaten zur Wehr setzen.

Ohne Aussichten auf Erfolg, wie es scheint. Denn rein formal betrachtet, so das „Bauchgefühl" vieler Zuhörer, gibt es wohl kaum Anhaltspunkte, die gegen die Inbetriebnahme der Deponie durch Thyssen-Krupp Nirosta (TKN) sprechen. Schon in wenigen Monaten könnte der Planfeststellungsbeschluss vorliegen, noch vor Jahresfrist die erste Schlacke auf Marbach abgeladen werden, sagte Heinz-Jörg Gimpel, Leiter der Umweltschutzbehörde Hagen.

»Wir wissen, dass unser Grundwasser verunreinigt ist«

Was am WAZ-Mobil am Rande der Debatte vor allem auffiel: Die Bürger fühlen sich nicht ernst genommen und mit ihren Ängsten und Sorgen allein gelassen. Zudem wird man den Eindruck nicht los, dass es den Verantwortlichen auf der Gegenseite an Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen mangelt.

Die Hammer Bürger befürchten vor allem durch die Altlasten der Deponie eine Belastung des Grundwassers durch gefährliche Chemikalien. „Wir wissen, dass unser Grundwasser verunreinigt ist", sagte zum Beispiel Detlef Hallmann. Kleingärtner Peter Alpert sorgt sich um den Nachwuchs. „Können Sie garantieren, dass wir das Obst und Gemüse, das wir anbauen, unseren Kindern zu essen geben können?", fragte er die Mitarbeiter von Thyssen-Krupp, die sich der Diskussion am WAZ-Mobil stellten.

Doch Dr. Verena Schulz-Klemp, Leiterin des Umwelt-und Energiemanagements von TKN, versuchte zu beruhigen: „Es gibt keine Bedenken." Die Deponie sei auf dem neuesten Stand der Technik, zudem habe man „ausgesprochen gute Sicherungsmaßnahmen getroffen." Konkrete Zahlen zur Verunreinigung des Grundwassers konnte aber weder sie noch ihr Kollege Roland Liedtke, Umweltbeauftragter des Bochumer Edelstahlwerks, nennen. Liedtke sicherte aber zu, dass sämtliche Grenzwerte eingehalten würden. Zudem wurde versprochen, die Deponie Marbach zunächst abzudichten, bevor die neue, angeblich ungefährliche Stahlwerksschlacke abgeladen wird.

Allerdings wurde auch klar: „Die Deponie würde heute nicht mehr genehmigt", erklärte Heinz-Jörg Gimpel. Jedoch nur wegen der Nähe der Deponie zum Wohngebiet.

»Die Deponie würde heute nicht mehr genehmigt«

Ein schwacher Trost für die betroffenen Anwohner, die in erster Linie Unterstützung von Seiten der Politik vermissen. „Die Stadt hat uns an Thyssen-Krupp verhökert", beklagte Gertrud Labusch, die als Sprecherin der Hammer Runde auftrat. Auch Rudolf Malzahn kritisiert: „Die Verwaltung hat hier ganz klar gepennt."

Er wünscht sich statt der Deponie ein Naherholungsgebiet, das den gesamten Stadtteil aufwerten würde. Doch Alfred Labusch, Pfarrer der evangelischen Gethsemane-Gemeinde befürchtet wie viele andere besorgte Bürger: „Das Image von Hamme geht endgültig kaputt."


Gertrud Labusch setzt sich vehement gegen Marbach zur Wehr.


Sorgenvolle Mienen unter den Hammer Bürgern: Die Inbetriebnahme der Deponie Marbach ist wohl kaum noch zu verhindern.

 

SPD Ortsverein Bochum Hamme

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