Debatte in Sichtweite der Deponie

Veröffentlicht am 24.03.2010 in Allgemein

WAZ Mittwoch, 24 März 2010

Politiker und Fachleute trafen sich zu einem ersten „Vor-Ort-Termin" in Hamme

Vertreter von Thyssen-Krupp-Nirosta erläuterten am Dienstag vor Mitgliedern der Bezirksvertretung Mitte und interessierten Bürgern die Planungen des Edelstahlherstellers. Im Hintergrund ist die derzeitige Situation der Deponie zu erkennen. Foto: GATZMANGA, Karl

Michael Weeke

Schon rollen Lastwagen auf der Porschestraße und ziehen ordentliche Staubfahnen hinter sich her. Doch noch sind es nicht Transporte mit Stahlwerksschlacke, sondern Lkw, die im Auftrag der Emschergenossenschaft die Renaturierung des Marbachs unterhalb der Thyssen-Krupp-Deponie vorantreiben. Erstmals direkt vor Ort trafen sich am Dienstag Politiker, Fachleute und Vertreter des Stahlkonzerns zu einem Meinungsaustausch.

Die Leiterin des Umwelt-und Energiemanagements von Thyssen-Krupp-Nirosta (TKN), Dr. Verena Schulz-Klemp und Roland Liedtke, Umweltbeauftragter für den Standort Bochum mussten sich bei schönem Frühlingswetter etliche Unmutsäußerungen geduldig anhören.

Bezirksbürgermeister Dieter Heidt hatte zu dieser Begehung aufgrund der aktuellen Debatte um eine Wiedereröff-
nung der Marbach-Deponie kurzfristig eingeladen. Viele Fragen drehten sich darum, ob es denn eine Alternative zu dieser umstrittenen Stelle gebe. „Warum gerade hier?",

»Es gibt für ThyssenKrupp keine Alternative zu diesem Standort«
rief jemand dazwischen.

Der Stahlkonzern plant und überlegt seit Jahren, wie er seine überschüssige Schlacke vernünftig lagern kann. „Es gibt keine Alternative, weil es der zur Produktion nächste Standort ist und er zudem der Forderung nachkommt, den Flächenverbrauch zu minimieren", so Roland Liedtke. TKN wiederholte zudem, dass es bei einer Nichtgenehmigung des Betriebs definitiv wirtschaftliche Auswirkungen gebe.

Norbert Klipsch, einer der Gutachter, der im Auftrag von Thyssen-Krupp das Gelände untersuchte, antwortete auf Fragen zudem, dass eine Absicherung der schon seit beinahe 100 Jahren dort gelagerten Stoffe, darunter auch kokereispezifische Abfälle (darunter die gefährlichenn Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, kurz PAK), auch unabhängig von einem Weiterbetrieb notwendig gewesen wäre. „Diese Altasten werden jetzt so abgedichtet, so dass der Kontakt mit dem Grundwasser verhindert wird", so Klipsch.

Zum Stand des Genehmigungsverfahrens erläuterte Heinz-Jörg Gimpel, Leiter der auch für Bochum zuständigen gemeinsamen Unteren

Umweltschutzbehörde in Hagen: „Das Planfeststellungsverfahren sieht am Ende eine öffentliche Anhörung vor, die hier in Bochum stattinden wird." Zunächst laufe jedoch noch die Frist, in der Anlieger oder Betroffene sich zu den Planungen des Stahlkonzerns äußern können, der wie
berichtet so schnell wie möglich die seit 1987 nicht mehr genutzte Deponie wieder in Betrieb nehmen möchte. Bevor die Behörde jedoch den Betrieb genehmige, müsse beachtet werden, dass auch ein Konzern sich an dem „Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme zu orientieren habe".

Zu diesem Zeipunkt haben einige Zuhörer schon enttäuscht abgewunken.

SICHERUNG DER ALTLASTEN

Dringend nötige Maßnahmen

Wer sich an der aktuellen Debatte über die Marbach-De-ponie beteiligt, dem sei die Lektüre der zur Zeit noch Im Technischen Rathaus ausliegenden Gutachten und Antragsunterlagen empfohlen. Dort heißt es etwa zur derzeitigen Situation: „Die Grundwasserbeschaffenheit unterliegt räumlich und zeitlich starken Schwankungen. Auffällige Bereiche liegen insbesondere am Ostrand der Deponie (ehem. Gasometerstandort: PAK, Cyanid, Benzol, elektrische Leitfähigkeit). In nahezu
ein Konzern sich an dem „Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme zu orientieren habe".

Zu diesem Zeipunkt haben einige Zuhörer schon enttäuscht abgewunken.
allen Messstellen liegen zeltweise erhöhte Cyanidwerte vor. Hinsichtlich der organischen Inhaltsstoffe dürften die diversen älteren Auffüllungen von vor Deponiebeginn ursächlich sein." Außerdem, so die Unterlagen, sind einige der Grundwassermessstellen defekt, so dass weitere notwendig erscheinen. TKN sichert zu, dass mit der Oberflächen- und Basisabdichtung eine mögliche Gefährlichkeit dieser Altablagerungen nach derzeitigem technischen Stand weltgehend ausgeschaltet werden könne.

 

SPD Ortsverein Bochum Hamme

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